Archiv für den Monat: Oktober 2015

Valencia im Auge des Hurrikans

28.10.2015

Weiterhin brodelt es an vielen Orten Spaniens‘ im Zuge der Wirtschaftskrise. In ihrer gestrigen Ausgabe vermeldete El País, dass eine Europäische Kommision wegen des Korruptionsverdachtes gegen Real Madrid, aufgrund eines künstlich überteuerten Immobilienhandels bei der Errichtung des Trainingszentrums in Valdebebas, ermittelt.

Über die in Barcelona ansässige Immobiliengesellschaft CEIAM Cabré Alegret soll das besagte Terrain deutlich über dem Marktwert verkauft worden sein. Nach Information der in Madrid erscheinenden Tageszeitung soll der maximalste Wert im Jahre 2012 bei 12.245.144 € gelegen haben. Statt dieses Betrages wurde das Grundstück für 22.693.054 € veräussert. Die Differenz soll aus dem Steuersäckel geflossen sein.

Auch in der drittgrössten Stadt des Landes, Valencia, schwappen die Wellen höher …

Vor dem Derbi zwischen dem Valencia CF und der Levante UD am kommenden Samstag (18h 15/ Camp de Mestalla) ist die Lage sowohl in Mestalla, als auch in Orriols angespannt.

Wie in seiner heutigen Ausgabe Levante – El Mercántil Valenciano berichtet, hat der Ex-Präsident des Vereins, Miguel Zorío, seines Zeichens auch der öffentliche Repräsentant der Plattform Marea Valencianista, Anzeige gegen den aktuellen Eigentümer, Peter Lim, den Spielervermittler und Partner Lims, Jorge Mendes, und gegen den vorherigen Präsidenten Amadeo Salvo, wegen verschiedener wirtschaftlicher Vergehen gestellt.

Hinsichtlich der übernahme des Vereins durch den aus Singapur stammenden Brokers Peter Lim ist hier bereits an anderer Stelle informiert worden. Seit dem Frühsommer besteht der Vorstand nur aus Gefolgsleuten und Familienangehöriger Lims‘. Dies sorgte seit geraumer Zeit für Spott und Schmäh. Aber nun war es den „Traditionalisten“ scheinbar zuviel.

Verhohnepiepelung des VCF-Wappens in Anlehnung an die chin. "Glückskatze". Ein anderer User auf FB schrieb "..der Vorstand (des VCF) liest sich wie die Actor list (eng. f. Darstellerliste) eines Jackie Chan Films."

Verhohnepiepelung des VCF-Wappens in Anlehnung an die chin. „Glückskatze“. Ein anderer User auf FB schrieb „..der Vorstand (des VCF) liest sich wie die Actor list (eng. f. Darstellerliste) eines Jackie Chan Films.“

Weiterhin wurde verkündet, dass der, seit 2009 nach einem tödlichen Arbeitsunfall und fehlender Liquidität, gestoppte Bau des neuen Stadions Nou Mestalla wohl weiteren „Abspeckmassnahmen“ wie der Reduzierung der Kapizität auf 55 000 Zuschauer statt der geplanten 80 000 (also in etwa der des momentan bespielten Grounds identisch!) zum Opfer fallen wird.

Das alte Station der Levante UD in Vallejo, nahe dem Barrio del Carmen und der Innenstadt am ehemaligen Ufer der Turia  (Foto:PDdirekt/Ramón Soler Cavero)

Das alte Station der Levante UD in Vallejo, nahe dem Barrio del Carmen und der Innenstadt am ehemaligen Ufer der Turia (Foto:PDdirekt/Ramón Soler Cavero)

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Der Sommer bei der Lavante UD war geprägt von der Frage, ob der Klub an den US-Amerikaner Robert Sarver, Gründer der Western Bank Union und der Besitzer des NBA-Teams Phoenix Suns, verkauft werden solle. Dies führte bei den Fans und (Klein-)Aktionären zu verbitterten internen Kämpfen. Durch die derzeitige fatale Position der LUD im Klassement (letzter mit sechs Punkten aus neun Spielen) sehen sich die Befürworter des gescheiterten Verkaufs in ihrer Meinung bestätigt, dass mit dem neuen Investor auch neue hochklassige Akteure an die Turia gekommen wären.

Zur Gründungszeit  spielte Levante (damals Llevant FC) in Strandnähe im Stadion im Campo Malvarrosa, dass das "kleine Maracaná genannt wurde (Foto: PDdirekt/Ramón Soler Cavero)

Zur Gründungszeit spielte Levante (damals Llevant FC) in Strandnähe im Stadion im Campo Malvarrosa, dass das „kleine Maracaná genannt wurde (Foto: PDdirekt/Ramón Soler Cavero)

Vorgestern entband der Vorstand den bisherigen Übungsleiter Lucas Alcaraz und seine Stab nach fast genau einem Jahr Amtszeit von ihren Pflichen. Neuer Coach der Granota ist seit gestern Joan Francesc Ferrer Sicilia „Rubi“, der bisher in der Segunda División A mit Real Valladolid, als auch mit dem Girona FC schon für mehr als nur Achtungserfolge sorgen konnten.Girona startete in die Saison unter der Prämisse des Klasssenerhalts, erreichte den 3. Platz in der Abschlusstabelle und spielte die Promotion zur Pimera División) Der 44-jährige Katalane entspricht dem Profil des „jungen,unbekannten Trainers“ mit dem Levante in der näheren Vergangenheit sehr gute Erfahrungen gemacht hatte (Luis García Plaza und Juan Ignacio Martínez alias „JIM“).

Noch finsterer sieht es aber dem Drittligisten Huracán Valencia aus

Dieser erst Anno 2011 gegründete Verein steht vor dem Aus. Geschaffen geworden um in der 3ª División, der vierhöchsten spanischen Spielklasse, dem Leder nachzujagen, nachdem die federative Lizenz des damals aufgelösten Torrellano CF übernommen wurde. Doch wie es der Zufall so wollte, konnte quasi im selben Atenzug ein, nach Lizenzentzug frei gewordener, Startplatz in der Segunda División B eingenommen werden.

Huracán spielte anfangs auf der Bezirkssportanlage von Manises und zog zur vergangenen Saison nach Torrent um (Stadt ca 80 000 Einwohner;ca 9 km westl. von Valencia). Das dortige Stadion “ Campo de San Gregorio“ biete rund 3 500 Fans Platz. Zu Hochzeiten hatte Huracán um die 2 000 Fans/Vereinsmitglieder.

In der Liga belegten die Los huracanes immer die vorderen Rängen und spielten auch dreimal in der Aufstiegsrunde zur Segunda División A. Landesweit bekannt wurde Huracán jedoch als im Februar 2012 Fernando Morientes (u.a Ex-Real Madrid CF, Valencia CF..) eine Jugendmannschaft als Trainer übernahm.

Auch heuer liegt Huracán nach einem 3:1 Sieg gegen UE Olot nur zwei Zähler hinter den Aufstiegsrängen, doch der Schuh drückt an einer anderen Stelle..

Die treibende Kraft bei Huracán war bis zum 22.10.2015 der Journalist und Jugendtrainer des Valencia CF Toni Hernández. Dieser sah sich ob der katastrophalen wirtschaftlichen Situation gezwungen seine Anteile Anfang dieses Monats an eine Gruppe örtlicher Geschäftsleute zu verkaufen.

Am 16.10. war die Geschäftstelle in Torrent verschlossen wurden, da Hernández drei Monate lang weder Miete noch Nebenkosten entrichtet hatte. An der Tür befand sich nur ein angebundener Zettel mit einer Telefonnummer unter der er wohl zu erreichen sei. Offfensichtlich von Hernández selbst angebracht.

Doch nicht nur der Eigentümer der bisherigen Geschäftsstelle ging bislang leer aus

Auch das fussballspielende Personal wartet z.T. noch auf Gehälter und Prämien aus der abgelaufenen Spielzeit und vorgestern bekamen die Spieler in der Kabine Besuch von Antonio Saiz, dem Beauftragten der sp. Spielergewerkschaft AFE für die Belange der Segunda B. Dort wurden sie über ihre Rechte und die, möglicherweise unausweichlichen, Schritten zur Umsetzung dieser aufgeklärt.

Anfang Dezembers könnten die entsprechenden Klagen vor Gericht eingereicht werden, falls es zu keiner Einigung mit dem neuen Präsidenten Carlos Sanchis gekommen sein sollte.

Zehn Monate sind inzwischen seit dem Mord an Jimmy in Madrid verstrichen..Ein Zwischenfazit

9.10.2015

Fast ein Jahr nach den tragischen Zwischenfällen am Ufer des Manzanares ist das Verfahren gegen die vermeindlichen Mörder des Depor-Fans ins Stocken gekommen und es ist an der Zeit ein Zwischenfazit hinsichtlich der Ermittlungen und der realen Konsequenzen im (Stadion-)Alltag zu ziehen.

Mittelerweile ist der vierte Richter mit dem Verfahren beschäftigt und dieser hat die beschuldigten Ultras der Frente Atlético (FA) auf freien Fuss gesetzt. Diese feierten die Freilassung mit einer „Capea“ ( eine Form der Misshandlung von Tieren, bei der zum Klamauk Jungstiere und Kühe gehetzt werden, ohne diese letztendlich zu töten. Dieser mehr als zweifelhafte Zeitbertreib ist z.B. bei Junggesellenabschieden oder Geburtstagsfeiern sehr weit verbreitet). Inzwischen wird auch gemunkelt, dass der Anwalt der Beschuldigten vom Verein CA Atlético bezahlt wird.

Was anfangs von den meisten Medien, der Polizei und Politik als ein Gewaltexzess unter Fussballrowdies dargestellt wurde und auch noch wird, hat längst weitreichende Dimensionen erreicht.

Bis heute z.B. steht der Beweis aus, dass sich diese beiden Ultra-Gruppen an jenem Morgen des 30.11.2014 zum „boxen“ getroffen hätten. Nach den Handyauswertungen lassen nämlich bislang nur Nachrichten des Portals WhatApp der Ultras der FA den Schluss zu, dass Gewalttaten geplant worden sind. Nachrichten wie „Los jetzt. Die Schweine (gemeint sind die Riazor Blues) steigen jetzt aus!“ dürften selbst von äusserst phantasievollen Menschen kaum anders zu interpretieren sein, als dass ein Angriff auf die Gäste ausgeführt werden sollte. Der älteste verletzte, und nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus festgenommene, Fan der Galizier zählte bereits 60 Lenze. Vielleicht selbst für einen „Althauer“ ein wenig zu alt.

Die direkt nach der Tat beschlossene „Stadion-Knigge“ wurde hier ja schon seinerzeit ausführlich vorgestellt (). Die wirklichen Folgen, abgesehen davon dass einige Gruppen den Zusatz „Ultra“ aus ihrem Namen streichen mussten, bekamen vor allem linke Fan-Gruppen wie z.B. Eskozia La Brava der SD Eibar zu spüren, die sich in ihrer Geschichte nichts ausser einigen beim Feiern zerbrochenen Bierkrügen vorwerfen lassen müssen. Die Basken mussten beim letztjährigen Gastspiel im Camp Nou Stunden vor dem Anpfiff sich im Stadion einfinden, ob der idententischen Vereinsfarben. Oder die Bukaneros von Rayo Vallecano, deren Versammlungsraum nahe des Stadions von Vallecas durchsucht wurde.

Andere Gruppen wie z.B. die Ultra Sur konnten wie im Gastspiel in Getafe wie gewohnt ungestraft und unbehelligt ihre rechte Ideologie ausleben. Und auch im Vicente Calderón war nach den ersten Matches nach dem Tod Jimmy’s wenig bis gar nichts von Verbotsmassnahmen gegen die FA und/oderihr Auftreten zu spüren.

US Getafe

(Ultra Sur im Coleseum Alfonso Peréz zu Getafe, Foto: PD-direkt)

Dies ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man sich die Vita des LFP-Präsidenten Javier Tebas betrachtet. Der 53-jährige Tebas (im Zivilberuf Anwalt) gehörte der rechtsextremistischen Fuerza Nueva, die vom katholischen Fundamentalisten Blas Piñar als Zeitungsprojekt in den 60-er Jahren gegründet wurde und 1976, fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Tode Franco’s, sich als Partei formierte, an. Tebas nahm die Aufgaben eines Jugenddeligierten in der Provinz Huesca, in der der in Costa Rica geborene Tebas in seiner Jugend lebte, wahr. Zur illusteren Klique der Fuerza Nueva gehörte übrigens auch der heute wegen der Korruptionsskandale in Marbella um Jesus Gil inhaftierte Expräsident des Sevilla FC, José Maria del Nido, an.

Und was passierte inzwischen in A Coruña?

Wie überall in Spanien dominierten auch im Stadion von Riazor ein hektischer Aktionismus zur Verbannung aller Ultras und ihrer Symbolik aus den Stadien. Der Block der Riazor Blues (RB) wurde gesperrt, später wurden diese dann mit einem Stadionverbot belegt.

Aber die RB gaben nicht auf und gründeten die Vereinigung „Jimmy, Sempre con Nós“ (Jimmy, für immer bei/mit uns), um das Andenken an ihren getöteten Freund zu bewahren und um die Familie, insbesondere Jimmy’s kleinen Sohn, zu unterstützen. Es wurden mit dem „Kobold“ Ausflüge organisiert, Schulmaterial gekauft, Zahnarztbesuche bezahlt etc. Aber das bleibt im Endeffekt nur eine sehr schöne Geste, kann aber, wie ein Sprecher von „Jimmy, Sempre con nós“ dem sp. Ultra-Portal SUPERHINCHA sagte, die natürlich den Vater nicht ersetzten kann.

Auch der Verein Deportivo unterstützt inzwischen offiziell die kampagne zur Aufklärung der Tat, aber auch auf parlarmentarischen Weg wird versucht über die linke Partei Bloque Nacionalista Galego (Nationalistischer Block Galiziens) Druck auf die zuständigen Behörden in Madrid auszuüben.

Die Mitglieder der RB fühlen sich von der Justiz schlicht und einfach veräppelt, da, im Gegensatz zu den Beteiligten auf Seiten der FA, bereits Geldbußen in Höhe von 60 000 € (nicht für die Verhafteten, die auf ein ordentliches Gerichtsurteil warten müssen) verhängt worden sind. Sie sind der Meinung, dass sie als Opfer dieses Hinterhaltes für das Weglaufen bestraft würden, während die eigentlichen Aggressoren bisher weitesgehend unbehelligt geblieben sind.

Der Anwalt der RB, Erlantz Ibarrondo, beklagt in einem Interview in der in A Coruña erscheinenden La Opión, dass die Ermittlungen ins Stocken geraten sind, obwohl ein Zeuge aus dem Umfeld der Atlético-Fans zwei Ultras der FA ganz eindeutig belastet. Andererseits passiere auch nicht viel bei der Verfolgung der Agression gegen den zweiten Depor-Fan Santi, der im bekannten Video zu sehen ist, wie er angegriffen und in den Manzanares geworfen wird.

In A Coruña schreien sie nach Gerchtigkeit, weil der Mord an Jimmy nur einer von (zu) vielen ist, die ungesühnt geblieben sind, wie u.a. die Morde in der Madrider U-Bahn an Carlos Palomino im November 2007, der auf dem Weg zu einer Antifa-Demo war oder am Real-Fan Aitor Zabaleta im Dezember 1998 eben am Stadion Vte. Calderón.

Es ist halt auffällig zufällig wie wenig passiert, wenn die Verdächtigen oder Täter bekannte Nazis, Polizisten oder (ehemalige) Armeeangehörige sind.