Der Fledermaus-Coup oder die Rolle des Valencia CF in der Immobilienspekulation

Eine entgültige Entscheidung BANKIA’s über den neuen Inhaber des Schuldenpaketes des Vereins ist noch nicht gefallen. Das Projekt „Peter Lim“ sieht wie der sichere Sieger aus und stösst auch bei weiten Teilen der Öffentlichkeit auf keinen nennenswerten Widerstand mehr.

Im vergangenen Winter, als das Interesse Lims‘ bekannt wurde, stand dieser Sektor der Möglichkeit eines ausländischen Investors mehr als skeptisch gegenüber. Mittelerweise überwiegt die Hoffnung, dank Lim und seines Partners Jorge Mendes, nicht nur wieder zu den Topteams der Primera División, sondern auch auf dem gesamten Kontinent zu gehören.

Doch wie kam es eigentlich zu dieser wirtschaftlichen Katastrophe, die der Verein seit einigen Jahren durchlebt? 2004 schafften die „Ché“ unter Rafa Benitez das Double aus Meisterschaft und UEFA-Pokal-Sieg. Der Präsident hiess Jaime Orti. Dieser galt als sehr volksnah und war vor seiner Zeit als Präsident Vorsitzender des Valencia-Fan-Clubs von Aldaia, einem Vorort von Valencia, der durch seine Handwerkskunst (heutzutage hauptsächlich Fächer, doch im 18. u. 19 Jhdt. auch für Pfeifen und Spielzeug) bekannt ist.

Ihm folgte im Sommer 2004 Juan Bautista Soler, ein scheinbar sehr erfolgreicher Bauunternehmer. Und, wie es der Zufall so wollte, fiel dieses Mandat in den Boom des „Ladrillos“, des Ziegelsteines. Soler plante zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen:

Den Verkauf des ältesten Stadions der Primera, in dem heute noch gespielt wird, einer maroden Arena, deren Erweiterung teilweise baurechtswidrig erfolgte. An anderer Stelle, im marginalisierten Viertel Benicalap, sollte ein neues, supermodernes Stadion errichtet werden.

Die Finanzierung sollte durch den Verkauf Mestalla’s erzielt werden, das in der besten Geschäftszone Valencias steht, dem „Manhattan“ an der Turia sozusagen.

Der Verkauf des Grundstückes an der Av. Sueca fiel dann aber genau in die Rezession des Sektors und der Verkauf stockte. Keine vier magischen Geschäftstower und der kostenintensive Bau des „Nou Mestalla“ hatte auch schon begonnen.

Die folgenden Ereignisse könnten ohne jeden Zweifel der Plot eines Thrillers aus der „Schwarzen Serie“, einer „hardboiled novel“, sein. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden und toten Personen und Handlungen sind weder zufällig, noch gar fiktiv, sondern polizeibekannt.

DER IRRE COUP

Im Jahre 1996 fälschte ein gewisser Robert Phillip Moore eine nicht unerhebliche Anzahl von Anteilen an der Ford Motor Company und brachte diese mit Hilfe von Organisation aus der Unterwelt in Umlauf.

Als Moore 2006 vom FBI festgenommen und später zu 30 Monaten Haft verurteilt wurde, war es bereits viel zu spät. Die Lawine wurde bereits losgetreten und die gefälschten Anteilsscheine zirkulierten unkontrollierbar über den Globus.

Und sie gerieten auch in die Hände des argentinischen Unternehmers Víctor Vicente Bravo, Vertreter der Dalport Inversiones, SL. Diese Firma verfügte auf dem Papier, nämlich auf dem der beschriebenen Wertpapieren, über ein beachtliches Kapital.

Bravo hatte auch schon Ziel ausgemacht, um diese Papiere zu „waschen“: Die als korrupt geltende Comunidad Valencia..und einen Fussballverein, der im Immobiliengeschäft verstrickt war. Er fand in Vicente Soriano in Valencia schnell einen Partner und es wurde die Idee geboren, dem Freund Sorianos‘ und ökonomisch schwächelden VCF-Präsidenten Soler, sein Aktienpaket abzukaufen.

Soriano und Soler waren nicht nur befreundet, sondern residier(t)en praktisch Tür an Tür in einem innenstadtnahen Upper-Class-Viertel.

Dann ging alles schnell: Bravo holte Soriano zu Dalport und sie eröffneten in Marbella in einer Filiale der Caja Duero ein Konto mit einer Einlage von 1,5 Mill. $. Gesichert wurde diese Einlage durch diese „Anleihen“ der Ford Motor Company. Die Bank stellte daraufhin sog. Solawechsel in Höhe von 85 Mill. € aus, mit denen dann 50,2 % der VCF-Aktien von Bautista Soler erworben wurden.

Auf diese Art und Weise wurde Bravo im Juli 2009 Hauptaktionär, ohne auch nur einen einzigen Euro gezahlt zu haben, und Soriano sein Präsident.

Doch schon weniger als einen Monat später brach das Kartenhäuschen zusammen: Bautista Soler und der VCF warteten auf die Investition seitens der Firma Dalport, SL., die jedoch nie kamen. Soler konnte auch die Solawechsel nicht versilbern, da er auch feststellen musste, dass sie nicht gedeckt waren.

Soler zeigte seinen Nachfolger an und löste damit das erste grosse Erdbeben in der neueren Geschichte des VCF, vielleicht das Gravierenste seit dem Abstieg 1986, aus.

Die Gerichte gaben Soler recht, aber Soriano erklärte sich insolvent. Doch viel spektakulärer in diesem Zusammenhang war der Tod des „Hauptschuldigen“ Bravo bei einem Verkehrsunfall in San Luis (Argentina) vor zwei Jahren.

Soler stand nun vor den eigenen Ruinen und plante den Gegenschlag. Er verpflichtete den Privatdetektiv Juan de Dios Vargas, um das Privatleben und v.a. die wirtschaftliche Verhältnisse Sorianos‘ auszuspähen. Vargas ermittelte, dass Soriano angebl. ein Konto im Ausland mit ca. 35 Mill. € besitzen sollte. Doch wie konnte Soler an dieses Geld kommen?

Um seiner Unzufriedenheit hinsichtlich der fehlenden Zahlungsmoral von Vte. Soriano Nachdruck zu verleihen, beschloss er Soriano zu kidnappen, um einen geheimen Safe in dessen Haus und seine Geheimkonten im Ausland zu plündern. Für die Zeit der Entführung und des Hackens der Konten etc. musste ein Versteck für Soriano gefunden werden.

Wie die Polizei später mitteilte, war es am 30. März 2014 zu der versuchten Anmietung eines Ladenraumes in Alfafar (bei Valencia) gekommen. An jenem Sonntag erhielt der Eigentümer Antonio R.V. einen Anruf von einem Interessenten. Einige Stunden später schien nach der Besichtigung der Ladenzeile der Deal perfekt, doch der mutmassliche Mieter liess bis Mitte April nichts von sich hören.

Kurz vorher, am 27. März, speiste Rachid A., der im Zeugenschutzprogramm steht, in einem Restaurant gegenüber vom Mestalla mit zwei Kolumbianern, die angebl. für die Entführung zuständig sein sollten.

Eben am bereits besagtem 30.3. wird Fernández von Rachid A. zum chauffieren einiger Leute, die aus Madrid kämen, durch Valencia beordert. Er sollte 50 € für diesen Auftrag kassieren. Dafür würde „Tati“, Abdellatif Ouchene, ein mar. Türsteher sorgen, der offenbar auch für den Kontakt verantwortlich war. Im Zusammenhang mit diesem Besuch kam auch die Besichtigung in Alfafar zustande.

Das kam Rachid A., der über ein ellenlanges Vorstrafenregister verfügt, wohl komisch vor und er entschloss sich fortan mit den Hütern des Gesetzes zusammenzuarbeiten.

Das nächste Treffen, das ebenfalls im „Aragón 20“ stattfand, wurde bereits von der Polizei mit Richtmikrofonen aufgezeichnet. Wiederum waren die geheimnisvollen Kolumbianer dabei, doch ihnen gelang es sich im Anschluss, zumindest für die Polizei, in Luft aufzulösen.

Zum Show-Down, der Entführung Soriano’s vom Rückweg von der Sonntagsmesse einer Kirche in der Nähe des Marktes „Colón“, kam es dann nicht mehr. Am 9. April wurde Soler festgenommen und der Rest seiner Truppe enttarnt und mit Ausnahme des Anwaltes ebenso verhaftet.

Bis auf die myteriösen Kolumbianer, die immer noch wie Geister durch diese Geschichte schwirren.

Das Schicksal geht weiter mit der Zeit danach. Eben in den 15h-Nachrichten hiess es, das das Geschäft zwischen BANKIA und Lim perfekt sei. Mehr dazu gibt es die Tage. In allen Facetten.

GANGSTER, BITTE ABTRETEN!

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