Las Palmas und Córdoba…sein oder nicht sein in 90 Minuten

oder aber maximal 120, denn ein Elfmeterschiessen würde es im Estadio de Gran Canaria nicht geben. Stünde es nach zwei Stunden Spielzeit, wie im Hinspiel 0:0, hiesse der Aufsteiger zur Primera División UD Las Palmas.

Und zwar, weil die Kanaren die reguläre Meisterschaftsrunde auf dem 6. Platz, hauchdünn vor Córdoba (7.), abschlossen.

Beide Vereine kommen zusammen auf 39 Spielzeiten in der höchsten spanischen Spielklasse, wobei auf Las Palmas das Gros mit 31 Jahren abfällt. Dabei sind die sieben Jahre eines Vorgängervereines, Arenas Club, noch nicht mitgezählt wurden. Der grösste Erfolg war die Vizemeisterschaft in der Saison 1968/69.

Fast genausolange warten die „Cordobesista“(38. in der Ewigen Tabelle), nämlich mittelerweile 42 Jahre, auf die Rückkehr zu den Topteams der iberischen Halbinsel. In deren 60-jährigen Geschichte spielte u.a. der heutige Auswahltrainer Vicente Del Bosque für die Kicker aus dem ehemaligen Kalifat.

Las Palmas nahm von Anfang an das Heft in die Hand und bestimmte das Spiel in der ersten Viertelstunde deutlich, ohne aber zu klaren Chancen zu kommen.

Danach befreiten sich die „Califas“ ein wenig. Ein Freistoss in der 25. Min. hätte fast die Führung der Gäste bedeutet, da Borbosa den Ball erst spät sah und nur nach vorne abklatschen konnte.

Auf der anderen Seite traf Nauzet, der schon beim letzten Aufstieg (damals in die Seg. Div. A) 2006 schon auf dem Platz stand, nach einer schönen Einzelleistung nur den Innenpfosten. Dann war Pause.

Nachdem die Seiten gewechselt waren, schien Raúl Bravo in einen Sekundenschlaf gefallen zu sein und liess sich vom „Wandervogel“ Carlos Aranda (seit seinem Debüt bei Real Madrid „C“ 1998 hat er bei nicht weniger als zwölf Vereinen als Profi gespielt) den Ball abluchsen.

Aranda marschierte zur Grundlinie und wartete bis Apoño in Position gelaufen war. Dessen scharfer Direktschuss schlug im Netz der „Cordobesista“ ein. Nun waren die Mannen von „Chapi“ (kat. Koseform/Diminutiv f. „Kleiner“) Ferrer gefordert.

Nachdem nun der Bann gebrochen war, zeigte Córdoba eigentlich zu wenig, um zum notwendigen Ausgleich zu kommen, und Momo hätte für die Kanaren nach etwas mehr als einer Stunde Spielzeit zumindest für die Vorentscheidung sorgen können.

Nach 70 Minuten brachte dann Ferrer seinen Toptorjäger, Xisco (zehn Treffer). Beide Mannschaften sind nicht gerade als Torfabriken bekannt, denn die Statistik besagte, dass im Laufe der Saison nur fünf Teams weniger Tore (47) als die Andalusier erzielten. Und das bei immerhin 42 Spielen in der Meisterschaftsrunde.

Die Zeit verstrich, ohne das etwas Nennenswerte passierte, und die Fans des, in der „ewigen Tabelle“ auf Platz 19 stehenden, Las Palmas waren schon in Feierlaune. Es hallte immer wieder „Sí, sí, sí, nos vamos a Madrid“ („Wir fahren nach Madrid“), als Anspielung auf zukünftige Auftritte auf grösseren Bühnen als im vergangenen Jahrzehnt, durch das Stadion.

Inzwischen waren die Eingangstore geöffnet worden und immer mehr Fans, die draussen warteten, stürmten ins weite Rund. Dann geschah das eigentlich Unglaubliche: In der Nachspielzeit begann eine „Pitch Invasion“. Daraufhin unterbrach der Schiri nach 91 Min. und 24 Sekunden das Spiel fur sieben Minuten.

Juan Carlos Valerón versuchte die eigenen Anhänger zu beruhigen und zur Rückkehr auf die Tribünen zu bewegen. Der Präsident der Kanaren, gleichzeitig auch Inhaber der im Estadio de Gran Canaria zuständigen Sicherheitsfirma, brachte seinerseits den Unparteiischen von der Idee ab, das Spiel abzubrechen.

Dann ging das Match weiter und ein Schlag landete auf der linken Aussenbahn und wurde in der 5-er der Gastgeber befördert. Borbosa patzte und der Mexikaner „Uli“ Dávila stocherte die Kugel über die Linie zum Ausgleich und Aufstieg.

Direkt danach erfolgte der Schlusspfiff, obwohl noch ca. 40 Sekunden Nachspielzeit ausstanden. Immer mehr Leute stürmten den Platz und es hagelte Objekte von den Rängen…..Schlägereien unter den Las Palmas-Fans, Angriffe auf Gästeakteure und das Gespann, das, von der Policia Nacional geschützt, wie auch die Spieler von Córdoba, fluchtartig in den Katakomben verschwandt.

Das Nachspiel folgt(e) in den „Social Media“: Per Facebook wurden die Gesichter der (vermeidlichen) Platzinvasoren veröffentlicht, z.T. mit Telefonnummern und vollständiger Adresse. Ausserdem gibt es eine, mittelerweile von mehr als 11 000 Fans unterzeichneten Liste, die fordert gegen die Provakeure, als „Schuldige“ für den Nicht-Aufstieg, ein lebenslanges Stadionverbot auszusprechen.

In Córdoba hingegen wurde gefeiert, das sich wieder einmal ein Sprichwort („No hay mal que cien años dure“/ dt. „Es gibt kein Unheil, das hundert Jahre währt“) bestátigt hatte.

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