Saisonabschluss im Frauenfussball mit doppelten Jubiläum und doch noch einem Titel für den FC Barcelona

Am 21.6. spielten der Athletic Club und der FC Barcelona das 25.Finale der „Copa de la Reina“ in Ceuta aus. Die Königin, also heute sowie die „alte“, als auch die „neue“, glänzte(-n), wie üblich, durch Abwesenheit.

Es ist alles bereits viel Wasser die Leine, oder wie man in Spanien sagt: „Es hat seitdem schon geregnet“, heruntergeflossen, seit sich im Jahre 1989, mit dem Zusammenbruch des Real Existierenden Sozialismus, nicht nur die politische Landkarte auf diesem Kontinent veränderte.

Es scheint eine halbe Ewigkeit vergangen, seitdem sich im „Las Gaunas“ zu Logroño (La Rioja) die Teams von Parque Alcobendas und Añorga KKE zum allerersten Endspiel um den spanischen Frauen-Pokal gegenüberstanden. Die Madrilenen setzten sich dort mit 4:1 durch.

Die Guipuzkanerinnen aus Donosti (sp. San Sebastián) sollten jedoch, nach diesem verloren Endspiel, eine Epoche einläuten. Die, 1922 gegründete, „Añorga Kirol eta Kultur Elkartea“ (dt. Sport- u. Kulturverein Añorga/ „Añorga“ ist ein Stadtteil der Hauptstadt Gizpuzcuas), Añorga KKE, konnte in nicht weniger als fünf der folgenden Finale einziehen, wobei die Baskinnen dreimal erfolgreich das Spielfeld verliessen (1990, 1991 y 1993)

Ihnen eiferten in der zweiten Hälfte der 90-er der RCD Espanyol (Meisterinnen 1996 & 97), aber v.a. die Levante UD Feminino nach. Die „Granotas“ glichen die Anzahl der Finalteilnahmen gegenüber der Añorga KKE nicht nur aus, sondern überflügelten sie sogar und behielten sechs von siebenmal die Oberhand (2000, 2001, 2002, 2004, 2005 y 2007).

Die Hegemonie der Valencianerinnen erlosch, fast logischerweise, gleichzeitig mit der Finanzkrise im Verein und der Abwanderung von Leistungsträgerinnen wie z.B. Laura del Rio. Zuerst zog es die Madrilenin in die USA und im Anschluss danach war sie, u.a. auch noch ein Jahr für den FSV Frankfurt aktiv.

Beim Match in Ceuta, einer der beiden spanischen Enklaven in Afrika, die den Atlantik vom Mittelmeer trennt, gewannen die Spielerinnen von Barça nach Elfmeterschiessen.

Aus den Spielerinnen beider Teams bildet sich derzeit das Gros der spanischen Auswahl. Auch daher fand das Spiel auf hohem Niveau und, am Ende auch mit einem sehr dramatischen Verlauf, satt.

BARCELONA: RAFOLS, MARTA, TORREJÓN, RUTH, MELANI (LAU, MIN. 80), VIRGINIA, CORREDERA, MIRIAM, WILLY, ALEXIA Y JENNI.

ATHLETIC: AINHOA, IRENE, FLAVIANO (EZTIZEN, MIN. 72), NEKANE, ORUETA, IRAIA (ARRANZ, MIN. 112), ALAZNE (EUNATE, MIN. 52), ELI IBARRA, LEIRE (MURUA, MIN. 46), ERIKA Y VANESA.

Tore: 1-0 Alexia, min 94; 1-1 Nekane, min 98.
Elfmeterschiessen: 1-2 Vanesa; 2-2 Marta; 3-2 Corredera; 3-3 Erika; 4-3 Laura; 4-4 Ibarra; 5-4 Jenni; 5-5 Orueta; 6-5 Alexia.

In der, ebenso wie der Pokalwettbewerb, 1988 entstandenen Superliga Feminina, die im Laufe der Zeit nahezu unzähligen Modifikationen, hinsichtlich des Formates und des Namens, unterworfen wurde, kämpfen aktuell 16 Teams um die Meisterschaftslorbeeren.

DIE GEWINNER DER „COPA DE LA REINA“

RCD Espanyol 7 (1996-1997-1998-2006-2009-2010-2012)
Levante UD 6 (2000-2001-2002-2004-2005-2007)
FC Barcelona 4 (1994-2011-2013-2014)
Añorga KKE 3 (1990-1991-1993)
Oroquieta Villaverde 3 (1992-1995-1999)
Parque Alcobendas 1 (1989)
Rayo Vallecano 1 (2008)

Sabadell 1 (2003)

UND 100 WURDEN SIE AUCH SCHON VORHER

Am 11. Juni 1914 fand das erste dokumentierte Frauenfussballspiel in Spanien statt. Die EL MUNDO DEPORTIVO, die älteste spanische Sportzeitung, widmete diesem Ereignis, das auf dem als „Campo Español“ in Barcelona bezeichnetem Spielfeld ausgetragen wurde, eine Notiz:

Einen 30-Zeiler unter der sparsamen Überschrift lautete: „Die fussballspielenden Mädels“. An jenem Tag hatte die EL MUNDO DEPORTIVE eine Seitenzahl von sechs.

Der Schiri trug beim o. erwähnten Match „anstandsgemäss“ übrigens keine reguläre Kleidung, sondern einen Trainingsanzug.

Trotz dieses Signales gegen alle möglichen (machistischen) Vorurteile, erwartete die Pioniere des Frauenfussballes noch ein langer, steiniger Weg bis zu ihrer gesellschaftlichen Anerkennung.

Das erste Länderspiel einer spanischen Frauenauswahl datiert auf den 5.2.1983. Diesen Freundschaftsvergleich gewann Portugal mit 1:0.

Bereits zwölf Jahre vorher stand dieses Match schon einmal auf dem Programm. Damals, 1971, als, vor der „Nelkenrevolution“ von 1974, ebenso im Nachbarland eine faschistische Diktatur die Macht ausübte, trotzten die Frauen der Propaganda der femin. Organisation der Falange und striffen den Dress über. Auf dem Trikot der Spanerinen, angeführt von ihrem Kapitän, Conchi Sánchez (Spitzname „Amancio“), waren keine Embleme zu finden..weder federative, noch staatliche. Dieses Spiel, das, ca. 3 000 Zuschauern in „La Condomina“ zu Murcia sahen, fand nicht, wie viele andere zivile Proteste aus dieser Zeit auch, gegen das Franco-Regime, den Weg in die Analen. Das Ergebnis ist auch nicht bekannt. Aber sei es drum!

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