Ein Depor-Fan der Gruppe „Los Suaves“ wurde vor dem Auswärtsspiel bei Atlético Madrid ermordet

Francisco Javier Roberto „Jimmy“ Taboada war gestern mit anderen Anhängern von Deportivo La Coruña zum Match nach Madrid gereist und nahm an einer, scheinbar „zufälligen“, Auseinandersetzung gegen 9 Uhr teil. Die „Riazor Blues“ (RB) hatten ihre beiden Autobusse ausserhalb der Provinz A Coruña, nämlich wie schon in den beiden vorherigen Spielzeiten in Lugo, angemietet und sich somit der Bewachung der Polizei entzogen. Auf der Reise in die Hauptstadt verfügten die RB auch über zwei „Spähfahrzeuge“, die den Bussen vorrausfuhren, um über eventuelle Kontrollen zu informieren.

riazor blues Fa

Ausserdem war das Spiel, auch weil eben keine Erkenntnisse über die Anreise der Gästefans vorlagen, nicht zu einem „Risikospiel“ erklärt worden. Die Poloicia Nacional war mit rd. 100 Beamten im Einsatz dazu kamen noch weitere Einheiten (ca. 60 Einsatzkräfte) der Madrider Guardia Urbana.

fa und die polizei

Die Ereignisse, an der nach Medienangaben gut 200 Personen beteiligt gewesen sein solen, trugen sich an verschiedenen Punkten in der Nähe des Vte. Calderón, Avenida de Manzanares, sowie in den Strassen Virgen del Puerto und San Rufo, statt und dauerten nach jeweiligen Zeugenberichten zwischen zehn Minuten und einer halben Stunde. Die Mitglieder der FA, die weiterhin noch Unterstützung der ebenfalls als rechtsextremistisch geltenden Ultra Boys (Sporting de Gijón) erhielten, hatten sich für sieben Uhr morgens zum „frühstücken“ verabredet.Die Polizei hatte Kenntniss von diesem Treffen!

jimmy dep

Bei den Ausschreitungen flog im Prinzip alles, was nicht niet- und nagelfest war. Ausserdem wurden Baseballschläger, Eisenstangen und Messer bei dem Tumult eingesetzt. Nachdem der 43-jährige Fan, wie die Autopsie ergab, durch Schläge mit Eisenstangen tödlich verletzt wurde, schmissen ihn scheinbar Angehörige der Atlético-Ultra-Gruppe „Frente Atlético“ (FA) in den Manzanares.

Rettungstaucher der Madrider Feuerwehr konnten um 9h 04 „Jimmy“ noch lebend bergen, nachdem er zwölf Minuten in den eisigen Fluten des Flusses trieb, und mit lebensgefährlichen Verletzungen in das Krankenhaus “ Hospital Clínico“ einliefern. Dort verstarb er am frühen Nachmittag des 30.11.2014. Die Witwe Taboadas will den Leichnam so schnell wie möglich, am besten am morgigen Dienstag, nach Galizien überführen.

http://www.youtube.com/watch?v=7RI7-o9FjJM&list=UUO3ouc-vZDniL-pmgAHm7MQ&index=8
(Besseres Bildmaterial: Playlist 8/79 von LASEXTA.COM)

Als die Polizei dann endlich eintraf, konnte sie noch insgesamt 21 Personen verhaften. Der älteste der Festgenommenen zählt bereits 58 Lenze, sodass das Schema der rivalisierenden Jugendbanden nicht anwendbar ist. Die Nacht im Polizeigewahrsam mussten sechs Ultras der FA, 2 Bukaneros (Rayo Vallecano), ein Alkorhooligan (CD Alcorcón) und zwölf RB verbringen. Keiner der vorläufig Verhafteten, die heute dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden, scheint direkt für den Tod von „Jimmy“ verantwortlich zu sein.

Ebenso peinlich wie die Pannenserie der spanischen Polizei waren die Reaktionen des Atlético Präsidenten Enrique Cerezo und Miguel Ängel Gil Marin, die jegliche Verantwortung für die Geschenisse abwiesen mit der Begründung, dass sich die Krawalle ausserhalb des Stadions abspielten. 500m vom Calderón entfernt!

Sowohl die Szene der FA, als auch die „Ultras Sur“ (US) vom Stadtnachbarn Real Madrid gelten als besonders gewaltätig. Bei der Verteilung oder dem interner Verkauf der Freikarten, Merchandising-Artikeln, Organation von Auswärtsfahrten, die ebenfalls nicht selten von den jeweiligen Klubs unterstützt oder gar vollständig gesponsort wurden/werden. Also im Endeffekt um Geld und Einfluss, also um eine gewisse Machtstellung innerhalb der Vereinsstruktur. Während die US diese Tätigkeiten hauptsächlich in Kneipen im Umfeld des Bernabéu steuern, hat die FA sogar sowohl einen eigenen Verkaufsstand und verfügt über eigene Räumlichkeiten zur Lagerung ihres Support-Materials im Stadion der „Colchoneros“.

In diesen Kreisen kommt es oft zu Eifersüchteleien zwischen den verschiedenen rechtsextremen Gruppen wie „Hammerskins“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Hammerskins) und „Blood & Honour“(http://de.wikipedia.org/wiki/Blood_and_Honour). So ist, skurilerweise, einer der führenden Köpfe der US eigentlich Anhänger von Atlético.

memorial zabaleta + jimmy

„Jimmy“ ist nicht das erste Opfer der FA. Auch der Real Sociedad-Fan Aitor Zabaleta wurde erstochen, als er einen Streit schlichten wollte.

Als Reaktion auf den Tod von „Jimmy“ wurden gestern und heute Nacht einige Fan-Klubs von Atlético z.B. in Sevilla, dort den Wandmalereien nach von der mit den RB befreundeten linken Ultra-Gruppe „Biris Norte“, angegriffen ohne das dabei weitere Personenschäden zu beklagen waren.

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