Fahndung im Mordfall „Jimmy“….35 Ultras der Frente Atlético festgenommen

16.12.2014.

In einer konzertierten Aktion begannen Einheiten der Policia Nacional heute morgen gegen 6 Uhr mit Hausdurchsuchungen in Madrid (in der Hauptstadt und in den umliegenden Ortschaften Alcobendas, Móstoles und Parla) , Ávila, Toledo und Cuenca. Dabei kam es bis zur Stunde zu 35 Festnahmen. Ausserdem wurde eine Gaststätte (Cerveceria Río Duratón, Calle San Epifanio/ in der Nähe des Estadio Vte. Calderón, die bei den Ultras der Frente Atlético (FA) unter dem Kosenamen „Bar Triste“ bekannt ist) von den Sicherheitskräften besucht, aber die Beamten verliessen das Lokal nach einem Gespräch mit dem Eigentümer. Auch dort wurde üblicherweise Merchandisingmaterial der FA verkauft.

 

Die „Operación Neptuno“ (benannt nach dem Brunnen, an dem die Atléti-Fans ihre Triumpfe feiern) fusst auf den Erkenntnissen, die bei der Auswertung des Videomaterials und der Handydaten aus den umliegenden Funkmasten gewonnen werden konnten. An dem Einsatz nahmen rd. 150 Beamten der Policia Nacional, unterstützt von Sondereinsatzkommandos (UIP), teil. Alle Festnahmen sollen bisher ohne physische Gegenwehr verlaufen sein. Unter den  Festgenommenen sollen sich auch zwei Personen befinden, die direkt mit dem Tötungsdelikt in Verbindung gebracht werden, wie der spanische Innenminister Jorge Fernández Díaz im Rahmen seines Besuches in Santiago de Chile bekannt gab.

 

<blockquote class=“twitter-tweet“ lang=“de“><p>OPERACIÓN NEPTUNO | Un taxista de Parla, entre los aficionados detenidos <a href=“http://t.co/2pOjmB4oCb“>http://t.co/2pOjmB4oCb</a> <a href=“http://t.co/FoTXOhpETP“>pic.twitter.com/FoTXOhpETP</a></p>&mdash; MARCA (@marca) <a href=“https://twitter.com/marca/status/544865239016415232″>16. Dezember 2014</a></blockquote>
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Weitere Verhaftungen werden nicht ausgeschlossen. Unter den Festgenommenen, die fast alle über einschlägige Vorstrafen verfügen sollen, befänden sich auch einige Minderjährige . Sie wurden in das Madrider Kommissariat von Moratalaz gebracht, wo sie auf ihr Verhör durch Polizei und  dem zuständigen Untersuchungsrichter warten mussten.

Im Moment sind noch keine Ergebnisse dieser Befragungen durchgesickert, ausser dass  diese, durch die Polizei, noch bis zum frühen Morgen andauern könnten.

17.12.2014

Die Vernehmungen in Moratalaz dauern zur Stunde noch an, aber es ist möglich, dass einzelne bereits Verhörte im Laufe des Nachmittages schon dem zuständigen Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Nach spanischem Recht muss dies spätestens 72 Stunden nach der Verhaftung passiert sein.

FA Turin

(Foto: Twitter)

Währenddessen ist die Zahl der im Zuge dieses Einsatzes Inhaftierten auf 41 angewachsen. Eine weitere Person wurde ebenfalls, wie auch einer der Hauptverdächtigen, in der südlich von Madrid gelegenen Ortschaft Parla festgenommen und in Gijón wurden heute vormittag 4 Ultras aus den Kreisen der Ultra Boys (Sporting de Gijón) arrestiert. Mit der Überführung dieser Verhafteten nach Moratalaz wird für heute Nachmittag erwartet.

fa sare antifaxista

(Foto: Sare Antifaxista)

In der Pressekonferenz am Morgen in Madrid wurde verkündet, dass aus ermittlungstechnischen Gründen noch keine Einzelheiten aus den Verhören bekanntgegeben werden können und das die „Operación Neptuno“ noch lange nicht abgeschlossen ist. Ein Polizeisprecher, Serafín Giraldo, ergänzte, dass im Moment 180 Ultras als Verantwortliche für die Ausschreitungen angesehen werden.

Durchgedrungen sind allerdings bereits einige Details bezüglich der beiden Haupttatverdächtigen: Zum einen soll es sich um eben besagten 34-jährigen Taxifahrer aus Parla handeln, der in Kreisen der FA unter dem Spitznamen „Isma el Búfalo“ (Isma(el), der Büffel) bekannt ist und der zur Führungsebene der Gruppe gerechnet wird. Isma war in den 90-er Jahren Falschirmjäger in der spanischen Armee und auch als Amateur-Boxer aktiv. Er trat bereits öfter in Erscheinung, u.a. als er den Journalisten Javier Matallanas, während eines Wortgefechtes um  den ehemaligen Profi der „Colchoneros“ Kiko Narváez, im Eingangsbereich des Vte. Calderón angriff und zu Boden stiess.

Zum zweiten mutmasslichen Haupttäter sind noch nicht so viele Details bekannt, ausser dass er aus Alcobendas (Madrid) kommt und ein Familienangehöriger von Isma sein soll. Letzteres wurde aber bislang noch nicht offiziell bestätigt.

Unter den Inhaftierten befinden sich, neben drei Minderjährigen und einer Frau, was nach Angaben der Policia Nacional bei dieser Art von Straftaten eher ungewöhnlich ist, auch ein Angehöriger einer 2005 ins Leben gerufenen Spezialeinheit des spanischen Armee (UME; http://de.wikipedia.org/wiki/Unidad_Militar_de_Emergencias), sowie ein ebenfalls sich im aktiven Dienst befindlichen Guardia Civil aus Rivas Vaciamadrid (Madrid).

Entscheidend für diesen Fahndungserfolg soll u.a. die Auswertung von vielen Stunden Handy-Videos der Anwohner des Tatortes gewesen sein, die kurioserweise scheinbar bessere Bilder lieferten, als die in diesem Gebiet stationierten Überwachungskameras. Auch wurden die Ermittlungen auf die Aussagen der am Tattag verhafteten Ultras aus beiden Lagern gewesen sein. Dies ermöglichte, die in dem Gebiet Madrid Rio eingelogten Handy’s in Zusammenarbeit mit verdeckten Ermittlern, die sich in den Kreisen der FA bewegen, konkreten Personen zuzuordnen, die sich nun zumindest vorrübergehend hinter Schloss und Riegel befinden.

(Dieser Artikel ist geschlossen/Stand: 17.12.2014, 16h)

Der Irrsinn in den Stadien am letzten Wochenende

Nach den Ankündigungen aus Sport und Politik ab sofort gegen Gewalt vor und in den Stadien hart vorzugehen, keine Schmähgesänge und/oder Beleidigungen bestimmter sozialer Kollektive zu dulden, waren in allen Spielstätten Formen des Protestes, Anfeuerungsboykotts, als auch gegenseitige Anfeindungen zwischen Ultras und „normalen“ Stadiongängern zu beobachten. Vielerorts blieben die jeweiligen Fanblöcke auch einfach leer.

In diesem Zusammenhang liessen sich Beispiele aus nahezu allen Stadien anführen. In Mestalla z.B. unterstützte die „Curva Nord“ bis zur Halbzeit ihr Team überhaupt nicht. Die ebenfalls dort beheimateten Ultra Yomus planen, als Distanzierung von der Ultra-Bewegung schlicht und einfach nur den Zusatz „Ultra“ aus dem Namen ihres Fanclubs zu streichen.

Am Freitag in Almeria beim Gastspiel von Real Madrid waren keine Beleidigungen gegen CR7 wegen des mutmasslichen Berufs seiner Mutter zu hören, sondern es hallte stattdessen „Este portugues, no me cae bien“ (dt. Diesen Portugiesen mag ich nicht/gefällt mir nicht) von den Rängen. Anstatt Barça-Fans einer geistigen Defizienz zu bezichtigen, wurde ebenfalls höchst einfallsreich (??!!??) “ ser del Barça es ..ser de Portugal“ gegröhlt. Reim‘ dich oder stirb. Hintergrund für die Abwandlung dieser Gesánge sind die  Androhungen von drakonischen Geldstrafen und Stadionverboten für die Fans.

Selbstverständlich ist auch verbale Gewalt, also dumme rassistische, sexistische oder homophobe Pöbelei, nicht hinnehmbar, doch sollte hierbei auch berüchsichtigt werden, dass eben der Fussballplatz am Wochenende noch einer der letzten Orte ist, wo man abschalten  und sich den Stress der Woche aus dem Leib schreien kann. Es sollte ein gesundes Mass an Verstand bewahrt bleiben, aber auch Satire, eine Schmäh, wie der Wiener sagen würde, und Verballhornung erlaubt sein. Denn sonst verliert der Fussball von einem Tag auf den anderen seine Quintessenz. Oder wie Guti, also jemand, der in seiner aktiven Zeit einiges zu hören bekam, in einem Kommentar in www.LaSexta.com zu Protokoll gab, werden  höchstwahrscheinlich weder CR7 noch Leo Messi, ob dieser Anfeindungen, am Sonntag augenblicklich nach dem Aufstehen einen Psychiater konsultieren.

 

Die endgültige Verabschiedung der beschlossenen Massnahmen musste allerdings auf den 22.12. verschoben werden, da wiederum der Präsident des spanischen Verbandes, Ángel María Villar, abwesend war. Villar weilte bereits bei der Klub-WM in Marokko und handelte sich deswegen erneut eine Schelte der Medien, des Sportministeriums und des Ligapräsidenten Tebas ein.

Und wie liefen die Spiele von Atlético und Deportivo??

Am Sonntag spielten die „Colchoneros“ zum ersten Mal nach den tragischen Zwischenfällen am 30. November wieder vor eigenem Publikum. Das Match gegen den Villarreal CF war zu einem Hochsicherheitsmatch erklärt worden. Dies lag nicht daran, dass mit massenhaft anreisenden Fans der „Groguets“ gerechnet wurde, sondern es bestand die Furcht vor Protestmassnahmen der FA. An den Eingängen am Fondo Sur wurden Sperrgitter aufgebaut und die Fans einzeln durchsucht. Dort wurden einige Schals mit Symbolen der FA sichergestellt. Im Stadion selbst blieb der Block direkt hinter dem Tor leer. Als im Laufe der ersten Hälfte zum ersten Male so etwas wie Stimmung im Calderón aufkam, meldete sich auch die FA zu Wort: „Wenn ihr uns nicht wollt, dann singt auch nicht unsere Lieder!“. Dies quitierten viele andere Fans mit „Haut ab!“-Rufen. Die FA konterte später mit „Nosotros somos Atléti“ (dt. Wir sind Atléti)-Sprechchören. Weitere nennswerte Zwischenfálle oder gar Störungen des Spiels waren nicht zu beobachten. Allerdings verloren die „Rojiblancos“  seit Mai 2013 und insgesamt 27  Begegnungen erstmals wieder vor heimischen Publikum.

Gestern abend regnete es auch in Galizien, wie am ganzen Wochenende auf der gesamten Iberischen Halbinsel mit Ausnahme von Barcelona, in Strömen und daher war eine schwache Kulisse beim Kellerduell gegen den Elche CF quasi vorprogrammiert. Auch nach dem Ende der offiziellen Sperrung des Blocks der Riazor Blues (RB) blieb deren Stammplatz leer. Dies begründeten die RB mit einer Ehrung Jimmy’s. Neben der sportlichen Schieflage fand in den letzten Wochen in A Coruña eine Selbstzerfleischung unter dem Motto „Alle gegen Alle“ statt und setzte sich auch gestern fort. Es kam zu Sprechchören gegen den Präsidenten, gegen den Trainer und auch gegen die RB. In der 30. Minute drehten  dann viele Fans aus Protest dem Spielfeld den Rücken zu und gedachten so, auf ihre Art, dem toten Fan. Das Spiel hatte ein insgesamt schwaches Niveau, aber dennoch konnten die „Herculinos“ die „Rote Laterne“, aufgrund eines in der Schlussphase glücklichen 1:0-Erfolges, an die Gäste abgeben. Die „Ilicitanos“ vergaben in der Nachspielzeit zwei hundertprozentige Ausgleichsgelegenheiten und werden es in dieser Form schwer haben erneut die Klasse zu halten.

 

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