Zehn Monate sind inzwischen seit dem Mord an Jimmy in Madrid verstrichen..Ein Zwischenfazit

9.10.2015

Fast ein Jahr nach den tragischen Zwischenfällen am Ufer des Manzanares ist das Verfahren gegen die vermeindlichen Mörder des Depor-Fans ins Stocken gekommen und es ist an der Zeit ein Zwischenfazit hinsichtlich der Ermittlungen und der realen Konsequenzen im (Stadion-)Alltag zu ziehen.

Mittelerweile ist der vierte Richter mit dem Verfahren beschäftigt und dieser hat die beschuldigten Ultras der Frente Atlético (FA) auf freien Fuss gesetzt. Diese feierten die Freilassung mit einer „Capea“ ( eine Form der Misshandlung von Tieren, bei der zum Klamauk Jungstiere und Kühe gehetzt werden, ohne diese letztendlich zu töten. Dieser mehr als zweifelhafte Zeitbertreib ist z.B. bei Junggesellenabschieden oder Geburtstagsfeiern sehr weit verbreitet). Inzwischen wird auch gemunkelt, dass der Anwalt der Beschuldigten vom Verein CA Atlético bezahlt wird.

Was anfangs von den meisten Medien, der Polizei und Politik als ein Gewaltexzess unter Fussballrowdies dargestellt wurde und auch noch wird, hat längst weitreichende Dimensionen erreicht.

Bis heute z.B. steht der Beweis aus, dass sich diese beiden Ultra-Gruppen an jenem Morgen des 30.11.2014 zum „boxen“ getroffen hätten. Nach den Handyauswertungen lassen nämlich bislang nur Nachrichten des Portals WhatApp der Ultras der FA den Schluss zu, dass Gewalttaten geplant worden sind. Nachrichten wie „Los jetzt. Die Schweine (gemeint sind die Riazor Blues) steigen jetzt aus!“ dürften selbst von äusserst phantasievollen Menschen kaum anders zu interpretieren sein, als dass ein Angriff auf die Gäste ausgeführt werden sollte. Der älteste verletzte, und nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus festgenommene, Fan der Galizier zählte bereits 60 Lenze. Vielleicht selbst für einen „Althauer“ ein wenig zu alt.

Die direkt nach der Tat beschlossene „Stadion-Knigge“ wurde hier ja schon seinerzeit ausführlich vorgestellt (). Die wirklichen Folgen, abgesehen davon dass einige Gruppen den Zusatz „Ultra“ aus ihrem Namen streichen mussten, bekamen vor allem linke Fan-Gruppen wie z.B. Eskozia La Brava der SD Eibar zu spüren, die sich in ihrer Geschichte nichts ausser einigen beim Feiern zerbrochenen Bierkrügen vorwerfen lassen müssen. Die Basken mussten beim letztjährigen Gastspiel im Camp Nou Stunden vor dem Anpfiff sich im Stadion einfinden, ob der idententischen Vereinsfarben. Oder die Bukaneros von Rayo Vallecano, deren Versammlungsraum nahe des Stadions von Vallecas durchsucht wurde.

Andere Gruppen wie z.B. die Ultra Sur konnten wie im Gastspiel in Getafe wie gewohnt ungestraft und unbehelligt ihre rechte Ideologie ausleben. Und auch im Vicente Calderón war nach den ersten Matches nach dem Tod Jimmy’s wenig bis gar nichts von Verbotsmassnahmen gegen die FA und/oderihr Auftreten zu spüren.

US Getafe

(Ultra Sur im Coleseum Alfonso Peréz zu Getafe, Foto: PD-direkt)

Dies ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man sich die Vita des LFP-Präsidenten Javier Tebas betrachtet. Der 53-jährige Tebas (im Zivilberuf Anwalt) gehörte der rechtsextremistischen Fuerza Nueva, die vom katholischen Fundamentalisten Blas Piñar als Zeitungsprojekt in den 60-er Jahren gegründet wurde und 1976, fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Tode Franco’s, sich als Partei formierte, an. Tebas nahm die Aufgaben eines Jugenddeligierten in der Provinz Huesca, in der der in Costa Rica geborene Tebas in seiner Jugend lebte, wahr. Zur illusteren Klique der Fuerza Nueva gehörte übrigens auch der heute wegen der Korruptionsskandale in Marbella um Jesus Gil inhaftierte Expräsident des Sevilla FC, José Maria del Nido, an.

Und was passierte inzwischen in A Coruña?

Wie überall in Spanien dominierten auch im Stadion von Riazor ein hektischer Aktionismus zur Verbannung aller Ultras und ihrer Symbolik aus den Stadien. Der Block der Riazor Blues (RB) wurde gesperrt, später wurden diese dann mit einem Stadionverbot belegt.

Aber die RB gaben nicht auf und gründeten die Vereinigung „Jimmy, Sempre con Nós“ (Jimmy, für immer bei/mit uns), um das Andenken an ihren getöteten Freund zu bewahren und um die Familie, insbesondere Jimmy’s kleinen Sohn, zu unterstützen. Es wurden mit dem „Kobold“ Ausflüge organisiert, Schulmaterial gekauft, Zahnarztbesuche bezahlt etc. Aber das bleibt im Endeffekt nur eine sehr schöne Geste, kann aber, wie ein Sprecher von „Jimmy, Sempre con nós“ dem sp. Ultra-Portal SUPERHINCHA sagte, die natürlich den Vater nicht ersetzten kann.

Auch der Verein Deportivo unterstützt inzwischen offiziell die kampagne zur Aufklärung der Tat, aber auch auf parlarmentarischen Weg wird versucht über die linke Partei Bloque Nacionalista Galego (Nationalistischer Block Galiziens) Druck auf die zuständigen Behörden in Madrid auszuüben.

Die Mitglieder der RB fühlen sich von der Justiz schlicht und einfach veräppelt, da, im Gegensatz zu den Beteiligten auf Seiten der FA, bereits Geldbußen in Höhe von 60 000 € (nicht für die Verhafteten, die auf ein ordentliches Gerichtsurteil warten müssen) verhängt worden sind. Sie sind der Meinung, dass sie als Opfer dieses Hinterhaltes für das Weglaufen bestraft würden, während die eigentlichen Aggressoren bisher weitesgehend unbehelligt geblieben sind.

Der Anwalt der RB, Erlantz Ibarrondo, beklagt in einem Interview in der in A Coruña erscheinenden La Opión, dass die Ermittlungen ins Stocken geraten sind, obwohl ein Zeuge aus dem Umfeld der Atlético-Fans zwei Ultras der FA ganz eindeutig belastet. Andererseits passiere auch nicht viel bei der Verfolgung der Agression gegen den zweiten Depor-Fan Santi, der im bekannten Video zu sehen ist, wie er angegriffen und in den Manzanares geworfen wird.

In A Coruña schreien sie nach Gerchtigkeit, weil der Mord an Jimmy nur einer von (zu) vielen ist, die ungesühnt geblieben sind, wie u.a. die Morde in der Madrider U-Bahn an Carlos Palomino im November 2007, der auf dem Weg zu einer Antifa-Demo war oder am Real-Fan Aitor Zabaleta im Dezember 1998 eben am Stadion Vte. Calderón.

Es ist halt auffällig zufällig wie wenig passiert, wenn die Verdächtigen oder Täter bekannte Nazis, Polizisten oder (ehemalige) Armeeangehörige sind.

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